So ein Tag, so...

Dienstag, 13. Juni 2006 um 20:23 Uhr | Allgemein | toob

Eigentlich könnte ein sommerlicher Dienstag ja ein ganz feiner Tag sein. In der nachmittäglichen Gluthitze erst ein paar Stunden arbeiten, danach dann ab zum Fußballspielen in den Bürgerpark. Nicht aber heute.

Da ich dienstags bis 18 Uhr eben arbeiten muss und das Kicken eigentlich um die gleiche Zeit losgehen soll, bin ich darauf angewiesen, recht zügig mit dem Fahrrad zur Wiese zu gelangen. Das geht natürlich nur, wenn nicht gerade der Schlüssel im Fahrradschloss abbricht. Nach einer Viertelstunde wilder Bastelversuche (möglicherweise fehlte mir einfach auch die nötige Gelassenheit) entschied ich mich dann, den Weg schleunigst zu Fuß zurückzulegen. Da ich den herkömmlichen Pfad bereits einige Male mit dem Rad gefahren war, konnte ich recht sicher sein, dass es auch kürzere Wege geben muss. Das war das nächste Malheur.

Mein erster (zugegeben noch ziemlich naiver) Versuch bestand in einem von mir selbst geschlagenen Trampelpfad irgendwo in der Uniwildnis und endete bereits nach einem mannshohen Brennesselfeld, einigen Löchern in der leichten Sommerbekleidung sowie Mund, Nase und Augen voller Insekten vor einem so nicht durchquerbaren Tümpel. Selbstverständlich zog ich daraus meine Lehren. Die nächste Abkürzung sollte hinter einem bereits bestehenden Pfad durch's Unterholz lauern. So jedenfalls hatte ich mir das gedacht. Erstaunlicherweise traf ich hier sogar auf Menschen.

Die erste Begegnung ließ mich einen jungen Afro-Europäer passieren, der sich, so meinte ich zunächst, ja vielleicht auch verlaufen hatte. Zwei, drei Gebüsche später aber musste ich vermuten, dass er vielleicht eher die Funktion eines Wachhabenden innehatte (wenn ja, dann wurde ich anstandslos durchgelassen). Hier erwarteten mich nämlich zwei splitternackte Herren mittleren Alters. Ich kann nicht sagen, ob sie mich eher argwöhnisch oder doch voller Vorfreude betrachteten, da ich es für angezeigt hielt, diese zweite Abkürzung jetzt abzukürzen (im Sinne von abzubrechen).

Doch der Nackten nicht genug! Einen letzten verzweifelten Versuch wollte ich mir noch gönnen. Dieser führte mich dann direkt über den FKK-Strand des Stadtwaldsees (ich kenne mich in dieser Ecke Bremens einfach nicht genug aus). Erstaunlich, dass an derlei Stränden mit all ihren nackten Unformen ausgerechnet die Leute mit schamroten Kopf rumrennen, die komplett bekleidet, den Blick starr auf den Boden geheftet, die Szenerie betreten, um sie dann schleunigst wieder zu verlassen. Leute wie ich eben.

Wenigstens erreichte ich so einige Minuten später die Fußballwiese. Überflüssig zu bemerken, dass keiner mehr da war; ich hatte mich ja auch schon seit einer Dreiviertelstunde nicht mehr getraut, auf die Uhr zu schauen (zumal ich beim letzten Mal der einzige war, der einen Ball mithatte - ohne Ball wartet halt niemand eine Stunde auf das mögliche Zustandekommen einer ungezwungenen Bolzrunde). So bin ich dann (jetzt wenigstens mit dem Ball am Fuß) gemütlich nach Hause getrottet. Wahrscheinlich habe ich derart mehr Kilometer am Ball zurückgelegt, als das bei einem Spiel der Fall gewesen wäre. Wirklich schön war es trotzdem nicht.

Einziger Trost: Meine WM-Tipps für den heutigen Nachmittag lauteten bei Südkorea - Togo 2:1 und im Spiel Frankreich - Schweiz 1:1. Es gab also einige Punkte.

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